Was ist Sepsis?
Die schwerste Verlaufsform einer jeden denkbaren Infektion.
Definition Sepsis
Eine Sepsis (umgangssprachlich oft Blutvergiftung) ist eine lebensbedrohliche Organdysfunktion, die durch eine fehlerhafte, systemische Immunreaktion auf eine Infektion verursacht wird.
Eine Sepsis ist die schwerste Verlaufsform einer jeden denkbaren Infektion. Sie kann durch eine Lungenentzündung, eine Blasenentzündung, durch einliegende Katheter im Körper, Infektionen im Bauchraum (wie z. B. bei einer Blinddarmentzündung) oder schlicht durch eine Grippe (Influenza) entstehen.
Was passiert bei einer Sepsis?
Bei einer Sepsis kommt es zu einer überschießenden Reaktion unserer körpereigenen Abwehr, dem Immunsystem. Dabei entstehen Schäden an Organen, die primär erst einmal gar nichts mit dem eigentlichen Ort der Infektion zu tun haben. So kann es beispielsweise bei einer Sepsis, die durch eine bakterielle Lungenentzündung ausgelöst wurde, zu einem Kreislauf- oder Nierenversagen kommen. Auch die Leber kann in ihrer Funktion eingeschränkt werden, genau wie die Blutgerinnung oder unser Gehirn.
Eine Sepsis muss in den meisten Fällen auf einer Intensivstation behandelt werden. Hier werden die zeitweise vorkommenden Organfehlfunktionen so gut es geht ersetzt, bis die Infektion kontrolliert ist.
Um sich diese sehr komplexen Zusammenhänge zu verdeutlichen, hilft folgendes Bild:
Die Feuerwehr wird zu einem Brand im Dachstuhl eines Hauses gerufen. Der Dachstuhl ist komplett aus Holz und brennt lichterloh – ein beeindruckendes Bild. Daher alarmiert die Berufsfeuerwehr weitere Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr umliegender Dörfer. Alle löschen den Brand im Dachgeschoss mit gaaaaaanz viel Löschwasser. Dabei verwenden sie so viel Löschwasser, dass nicht nur der Brand im Dachstuhl bekämpft wird, sondern das gesamte Haus bis in den Keller durchnässt und danach für lange Zeit unbewohnbar wird. Das ist Sepsis!
Betrifft mich das überhaupt?
Da eine Sepsis theoretisch aus jeder Infektion heraus entstehen kann, kann prinzipiell auch jeder davon betroffen sein. Aber Entwarnung: Die meisten Infektionen verlaufen, ohne dass eine Sepsis entsteht. Es gibt jedoch Risikogruppen, die besonders häufig betroffen sein können:
- Menschen mit chronischen Erkrankungen oder geschwächtem Immunsystem.
- Personen über 60 Jahre sowie Schwangere und Frauen nach der Geburt.
- Menschen ohne Milz oder nach kürzlichen Opera:onen.
- Menschen mit künstlichen Implantaten oder früherer Sepsis.
- Früh- und Neugeborene, Kleinkinder sowie mangelernährte Personen.
Wie viele Menschen sind in Deutschland betroffen?
Die Sepsis Stiftung geht davon aus, dass
- pro Jahr wahrscheinlich mehr als 500.000 Patient:innen in Deutschland an einer Sepsis erkranken.
- Bis zu 140.000 Menschen sterben jährlich daran.
- Wird eine Sepsis überlebt, leiden etwa 75 % der Betroffenen an Langzeifolgen (körperlich, kognitiv und psychisch). Man spricht vom Post-Sepsis-Syndrom (PSS).
Was kann ich tun?
Wie kann ich mich schützen?
Zunächst ist es wichtig, die Symptome zu kennen. Sollte eine Infektion vorliegen – mit oder ohne Fieber – und eines oder mehrere der folgenden Symptome aufreten, könnte eine
Sepsis vorliegen:
- Ein nie dagewesenes Krankheitsgefühl: „Ich fühle mich so krank wie noch nie zuvor!“
- Herzrasen und niedriger Blutdruck
- Kalte, feuchte oder fleckige Haut
- Atemnot und Kurzatmigkeit
- Verwirrtheit oder Wesensveränderung „Mein Angehöriger ist anders als sonst. Er
redet Unsinn und ist manchmal gar nicht mehr erweckbar.“
Zögern Sie nicht, die 112 zu wählen.
Sepsis ist ein Nofall – genau wie ein Herzinfarkt oder Schlaganfall. Wenn Sie sich nur die eine Frage stellen: „Könnte es eine Sepsis sein?“, ist schon viel gewonnen.
Ansonsten ist es wichtig, einen gesunden Lebensstil zu pflegen. Viel Bewegung an der
frischen Luft, eine gesunde Ernährung, der Verzicht auf Nikotin und Alkohol sowie eine gute, regelmäßige Kontrolle und Therapie bestehender chronischer Erkrankungen sind hervorzuheben.
Insgesamt sollten Infektionen durch konsequente Basishygienemaßnahmen
vermieden werden, wie regelmäßiges Händewaschen, Händedesinfektion bei der
Wundversorgung sowie eine sorgfältige Wundhygiene. Auch Impfungen dienen dem Schutz vor Infektionen.
Fragt einfach eure Hausärztin oder euren Hausarzt, welche Impfungen für eure individuelle Lebenssituation empfohlen sind.
Und jetzt?
Werde Teil der Bewegung. Werde Sepsisheld:innen und Botschafter:innen im Kampf gegen die unterschätzte Gefahr. Sei bereit für die entscheidende Frage: Könnte es Sepsis sein?!