Ein persönlicher Erfahrungsbericht von Claudi
„Ein kleiner Schnitt – und plötzlich ging es um mein Leben.“
Claudis Sepsis-Geschichte und ihr Weg zurück ins Leben.
Ein Schnitt, nicht der Rede wert.
Alles begann mit einem winzigen Schnitt am Daumen. Ich hatte mich an Papier geschnitten – nichts Dramatisches, nicht der Rede wert. Ich trug kein Pflaster. Zur gleichen Zeit war meine Tochter an Scharlach erkrankt. Später wurden bei mir Streptokokken nachgewiesen, wie sie auch Scharlach auslösen können. Ob sie tatsächlich über genau diesen kleinen Schnitt in meinen Körper gelangten, lässt sich im Nachhinein nicht mit letzter Sicherheit beweisen. Doch für mich liegt diese Vermutung bis heute sehr nahe.
Zunächst bekam ich Fieber. Sehr hohes Fieber – über 40 Grad, zeitweise bis zu 41 Grad. Ich fühlte mich
schwer krank, hatte einen geschwollenen Lymphknoten in der Achselhöhle und merkte, dass etwas ganz
und gar nicht stimmte. Innerhalb weniger Stunden schwoll in der Nacht mein Handgelenk an, dann
meine Finger und schließlich der Unterarm.
Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits benommen und konnte meine Lage nicht mehr richtig einschätzen.
Ich war allein zu Hause und bat meine Mutter zu kommen. Auch sie erkannte, dass die Situation ernst
war, und rief den Notarzt.
Innerhalb weniger Stunden in Lebensgefahr
Ich wurde am frühen Nachmittag mit dem Krankenwagen in die Notaufnahme gebracht – zunächst mit dem Verdacht auf eine Gehirnhautentzündung. Ich bekam Schmerzmittel, doch sie halfen kaum. Meine Hand wurde geröntgt. Die Schmerzen in der Hand und im Arm waren kaum auszuhalten, und dennoch lag ich lange in der Notaufnahme, ohne zu wissen, was mit mir geschah.
Erst gegen Abend kam eine Ärztin aus der Chirurgie hinzu. Sie erkannte ein Kompartmentsyndrom: Durch den enormen Druck im Gewebe war nicht nur mein Arm, sondern inzwischen auch mein Leben bedroht. Kurz darauf wurde ich auf eine Notoperation vorbereitet.
Dann fiel zum ersten Mal das Wort Amputation. Um mein Leben zu retten, könne es notwendig werden,
meinen linken Arm abzunehmen. Ich konnte nicht begreifen, was ich da hörte. Alles fühlte sich an wie
ein Film. Trotz all der Kabel an meinem Körper stand ich aus dem Bett auf, ging der Ärztin hinterher und
flehte sie an, alles zu tun, damit mein Arm bleiben kann. Ich sagte ihr, dass ich Kinder und eine Familie
habe und noch so viel erleben möchte.
Sie nahm mich in den Arm, blieb aber sehr ehrlich: „Es geht hier nicht mehr um Ihren Arm. Es geht hier
um Ihr Leben.“ Dieser Satz hat sich für immer in mir eingebrannt.